Die GbR: Vor- und Nachteile für Gründer

In Zeiten der Pandemie sind nicht wenige Arbeitsverhältnisse fragwürdig geworden. Viele Beschäftigte denken mittlerweile daran, sich selbstständig zu machen. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist die einfachste Form, um dem Betrieb einen rechtskonformen Rahmen zu geben. Genau genommen sind viele gemeinsame Unternehmungen bereits eine GbR, obwohl die Teilnehmer es meist gar nicht wissen. Alle informellen Zusammenschlüsse, seien es Wohngemeinschaften, Fahrgemeinschaften oder Musikkapellen, werden von Juristen als „Gelegenheitsgesellschaften“ im Sinne des BGB verstanden.

Was ist eine GbR?

Zwei Personen müssen sich mindestens zu einem Wirtschaftsvorhaben zusammenschließen, dann handelt es sich bereits um eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts. Eine andere Bezeichnung ist BGB-Gesellschaft. Denn die einschlägigen Bestimmungen finden sich in den Paragraphen 705 bis 740 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB).

Die Gründung ist unkompliziert und kostengünstig. Besonders Praxisgemeinschaften, Kleingewerbetreibende, Arbeitsgemeinschaften und Freiberufler wählen häufig diese Rechtsform. Nicht erforderlich sind besondere Formalitäten, es reicht eine mündliche Absprache zwischen den beteiligten Gesellschaftern. Trotzdem ist die Schriftform der Vereinbarung zu empfehlen, dann weiß nachher jeder immer ganz genau, was besprochen wurde.

Sich selbstständig machen ohne Mindestkapital

Das BGB schreibt kein Mindestkapital vor. In finanzieller Hinsicht ist allerdings zu bedenken, dass jeder Gesellschafter einer Personengesellschaft mit seinem Privatvermögen haftet, wenn für das Unternehmen Verbindlichkeiten entstehen. Besonders wenn man sich selbstständig durch Corona machen will, übersieht mancher Gründer die somit möglichen Risiken, die auch aus simplen Steuerschulden bestehen können. Deshalb ist es sinnvoll, den Gesellschaftsvertrag zu nutzen, um das Innenverhältnis zu definieren und Sonderregelungen zu vereinbaren.

Wenn die Gesellschaft einen gewerblichen Handel betreibt, wird sie nach den Bestimmungen des Handelsgesetzbuchs (HGB) sofort zu einer OHG. Dieser Umstand entsteht, wenn der Betrieb auf kaufmännische Art handelt, so sagt es Paragraph 1, Abs. 2 des HGB. Als Personengesellschaft gilt ein derartiger Betrieb nicht als eine juristische Person. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass ein Gesellschafter als juristische Person Mitglied ist, wenn wenigstens einer der Beteiligten eine natürliche Person bleibt.

Die schriftliche Vereinbarung

Die Industrie- und Handelskammern und auch die Handwerkskammern stellen im Internet Vorlagen für eine GbR-Gründung zur Verfügung, die dem Nutzer allerdings nur eine erste Orientierung vermitteln sollen. Wer also beabsichtigt, Gesellschafter einer derartigen Unternehmung zu werden, sollte sich im Vorfeld um ausreichende Sachkenntnis bemühen. In der Eigenes-Business-Academy findet der Gründer erfahrene Unternehmer und Unternehmerinnen, die zu verschiedenen Themen wertvolle Tipps geben. Der angehende Gründer hat die Auswahl aus 200 Lektionen und kann an Challenges teilnehmen. Oder er schließt sich einer der vielen Gruppen an, in denen die Teilnehmer ihre Erfahrungen austauschen.

Auch das Hinzuziehen eines Rechtsanwalts oder eines Notars ist wichtig. So können die Beteiligten den Gesellschaftsvertrag ihren besonderen Vorstellungen anpassen. Schriftlich und beglaubigt legen sie zum Beispiel fest, welche Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Welcher Gesellschafter in welchem Fall alleinverantwortlich handelt, sollte man ebenfalls festhalten. Oder in welcher Höhe die Beteiligten monatlich Beträge aus dem gemeinsamen Kapital entnehmen können und anderes. So vermeiden die Gemeinschaftsunternehmer Konflikte oder gar Rechtsstreitigkeiten, die in der Zukunft entstehen und jederzeit möglich sind, durch das Festlegen klarer Regelungen.

Vor- und Nachteile

Zusätzlich zu den bereits genannten Vorteilen – einfache Gründung ohne Kapitalanforderungen – sind weitere reduzierte Anforderungen zu nennen. Ein Eintrag ins Handelsregister wird nicht verlangt, womit auch die Transparenz-Pflichten entfallen. Fallen Verluste an, besonders in der Gründungsphase, kann sie der Unternehmer mit privaten Einkünften verrechnen, auch wenn er einer Nebentätigkeit nachgeht.

Wer eine GmbH als Alternative in Erwägung zieht, muss allerdings auf einen entscheidenden Vorteil verzichten. Zwar entfällt bei einer GmbH die Privathaftung, denn die Gesellschafter sind nur mit dem Geschäftsvermögen verantwortlich. Auf der anderen Seite schwindet sein Einfluss auf Geschäftsentscheidungen erheblich. In einer Personengesellschaft können die Beteiligten doch deutlich mehr auf den Geschäftsbetrieb einwirken. Übrigens zählen auch die offene Handelsgesellschaft (oHG) und die Kommanditgesellschaft (KG) zu den Personengesellschaften.

Dass die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen haften, wurde als wesentlicher Nachteil bereits genannt. Sollte Kapitalbedarf entstehen, zeigt sich ein weiteres Manko dieser Rechtsform. Denn für Investoren ist die GbR-Unternehmung nicht geeignet. Außerdem ist die Wahl des Firmennamens eingeschränkt, Fantasienamen sind – außer für Kleingewerbetreibende – nicht gestattet.

Namen sind Schall und Rauch?

Aber auch für Kleinunternehmer empfehlen die Industrie- und Handelskammern, immer mit dem Vor- und Zunamen aufzutreten. Zwar besteht keine Verpflichtung durch den Gesetzgeber, mit einer korrekten Namensangabe lassen sich jedoch Missverständnisse vermeiden. In der Korrespondenz und im sonstigen Geschäftsverkehr, also auf Briefen, Rechnungen oder im Impressum, müssen Vor- und Nachname aber immer enthalten sein. Neben der aktuellen Geschäftsbezeichnung oder mindestens am Ende der Seite muss der Name genannt werden nebst einer ladungsfähigen Anschrift. Kommunikation sowie Handel im World Wide Web erfordern außerdem eine Präsentation, die den Paragraphen 5 und 6 des Telemediengesetzes (TMG) entspricht.

Risiken von Kooperationen

Auch ungewollt kann eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts entstehen. Unter Gründern kommt es nicht selten vor, dass man sich ein Büro teilt samt der benötigten Büromaterialien. So bleiben die Kosten niedrig, aber sobald das Finanzamt aufmerksam wird, kann es Vorbehalte anmelden. Auch wenn die Büronutzer nicht aktiv zusammenarbeiten, vermutet der Sachbearbeiter oft ein Gemeinschaftsunternehmen und fordert nicht selten hohe Steuernachzahlungen.

Die Anmeldung

Das BGB-Unternehmen benötigt zwar keinen Eintrag ins Handelsregister. Wird eine gewerbliche Tätigkeit ausgeübt, müssen sich die Gesellschafter aber jeweils einzeln beim zuständigen Gewerbeamt anmelden und erhalten einen Gewerbeschein. Bei einer freiberuflichen Tätigkeit entfällt auch diese Formalität. Allerdings beantragen die Beteiligten in jedem Fall beim Finanzamt eine gesonderte Steuernummer für das Unternehmen.

Interne Organisation und Außendarstellung

Die Gesellschafter sind gemeinschaftlich für die internen Abläufe verantwortlich und für die Vertretung gegenüber anderen. Aufgaben der Geschäftsführung sind die Führung der Bücher und ihre Kontrolle, sämtliche Korrespondenzen sowie das Kontrollieren der Arbeitsprozesse. Das Vertreten nach außen besteht aus den Vertragsabschlüssen jeglicher Art mit Dritten. Gemeint sind alle Kauf-, Leistungs- sowie Lieferverträge. Soll ein Rechtsgeschäft mit einer dritten Person zum Abschluss kommen, müssen die Gesellschafter einvernehmlich zustimmen. Die Geschäftsführung und die Vertretung können im Gesellschaftervertrag jedoch aufgeteilt oder eingeschränkt werden.

Die Haftung

Kommt es tatsächlich zu einer Haftung und ein Gesellschafter wird allein als Verantwortlicher belangt, kann er einen anteiligen Ausgleich von den übrigen Gesellschaftern verlangen. Abweichende Vereinbarungen sind ebenfalls in den Gesellschaftervertrag aufzunehmen. Ohne eine vertragliche Regelung haften die Beteiligten zu gleichen Anteilen. Eine Haftungsbeschränkung Dritten gegenüber muss mit dem jeweiligen Vertragspartner individuell vereinbart werden, nicht möglich ist eine allgemeine Haftungsbeschränkung.

Der Gründer und das Finanzamt

Wie jeder anderer Gewerbebetrieb unterliegt auch die BGB-Gesellschaft der Gewerbesteuer. Eine Ausnahme stellt die Freiberufler-GbR dar; sie ist nicht abgabenpflichtig im Sinne der Gewerbeordnung.

Alle Gesellschafter – als natürliche Personen – sind hingegen zur Einkommensteuer veranlagt. Die Höhe der Steuer errechnet sich aus dem Anteil am Gewinn, der jedem einzelnen zusteht. Er wird einheitlich und auch gesondert vom Finanzamt festgestellt.

Sowohl Lieferungen als auch Leistungen unterliegen der Umsatzsteuer von 19 Prozent oder dem ermäßigten Satz in Höhe von 7 Prozent.

Bei einer späteren Umwandlung in eine GmbH oder eine der anderen Rechtsformen sind die Bestimmungen des Umwandlungssteuergesetzes zu beachten. Geschieht dies nicht, entsteht das Risiko von hohen Steuernachzahlungen.

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Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar und dient lediglich zur Orientierung!

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